Google neuer Algorithmus für die Suche – google Suche

Ich habe mal wieder einen Sehr interessanten Artikel bei Spiegel. de gefunden und zitiere ihn hier komplett:

Von Philip Bethge und Christian Stöcker
Google hat seine Internetsuche komplett überarbeitet. Die Suche wird vollständig personalisiert und soll so Nutzer noch fester an den Konzern binden. Gleichzeitig wird die Suchseite zur Werbefläche für das eigene soziale Netzwerk Google+ – ein Frontalangriff auf den Konkurrenten Facebook.

San Francisco/Hamburg – Sich selbst zu googeln ist so ähnlich
wie Dschungelcamp schauen: Jeder hat es schon getan, zugeben will es kaum einer. Nun allerdings hat die Scham ein Ende: Denn dem eigenen Ich soll man bei Google künftig kaum mehr entfliehen können.
“Search plus Your World” lautet der sperrige Name einer komplett überarbeiteten Version der Google-Suche, die ab heute auf der englischsprachigen Google-Website zur Verfügung steht. Die neuen Algorithmen personalisieren die Internetsuche auf nie dagewesene Weise. Google bringt seine mächtigste Waffe gegen Facebook in Stellung.
“Wir verwandeln Google in eine Suchmaschine, die nicht nur Inhalte versteht, sondern auch Menschen und Beziehungen”, schwärmt Amit Singhal, der für Googles Suchalgorithmus mitverantwortlich ist. Bislang sei Suche auf ein öffentliches Universum
von Websites beschränkt gewesen, die von Unbekannten erstellt wurden, sagt Singhal. Nun jedoch werde “Deine Welt, reich an Menschen und Informationen,” in die Suche integriert.
Drei neue Funktionen versprechen die Entwickler aus dem kalifornischen Mountain View all jenen, die sich mit ihrem persönlichen Google-Profil, dazu gehört zum Beispiel auch das Googlemail-Konto, auf der Suchmaschinenseite anmelden:
Künftig wird der registrierte Nutzer neben den bisherigen Suchergebnissen auch solche vorfinden, die speziell auf die eigenen Vorlieben und jene von Freunden und Bekannten zugeschnitten sind. Wer etwa eine Reise nach Hawaii plant, bekommt nicht nur Hotelführer geliefert, sondern auch Fotos und Kommentare von Freunden, die schon mal dort waren. Auch all das, was man selbst über die Jahre im Internet zu Hawaii gepostet oder kommentiert hat, taucht oben in der Suchliste auf.
Die Suche nach Personen soll erheblich vereinfacht werden. Schon beim Eingeben eines Namens in das Suchfeld schlägt Google Personen und deren Google+-Seiten vor und richtet sich dabei wiederum nach persönlichen Präferenzen und früheren Suchanfragen. Wer einen Jürgen Schmidt sucht, soll künftig als erstes diejenigen finden, die er persönlich kennt – so sie denn ein Konto bei Google+ haben. Findet man jemanden, mit dem man noch nicht digital verbunden ist, kann man das mit einem einzigen Klick nachholen.
Wer künftig allgemeine Suchbegriffe wie ‘Musik’ oder ‘Fußball’ eintippt, wird am rechten Rand des Bildschirms eine Liste von Personen geliefert bekommen, die “das Thema oft diskutieren” (Singhal) oder beispielsweise als Musiker oder Fußballer prominent sind. Im von Google zur Verfügung gestellten Beispiel-Screenshot wirft eine Suche nach “music” die Profile von Britney Spears und dem Rapper Snoop Dogg aus.
Das Suchergebnis wird also für bei Google eingeloggte Nutzer eine Internetwelt sein, die zwischen Dingen, die für die jeweilige Person als relevant betrachtet werden, und Dingen, die der Google-Algorithmus allgemein als relevant betrachtet, keinen klaren Unterschied mehr macht. Google wird damit zu einer Art personalisierter Startseite. Die Grenzen zwischen Social Networking und herkömmlicher Internetnutzung sollen verschwimmen. Das kann Facebook nicht.
Gleichzeitig wird so eine personalisierte Netzwelt ein Problem befördern, das der US-Autor Eli Pariser als “Filterblase” bezeichnet: Man sieht online womöglich nur noch, was einem gefällt.
Die neue Suchmaschinenoffensive ist auch ein Versuch, den Facebook-Konkurrenten Google+ massiv zu bewerben und die Nutzer noch mehr an sich zu binden. Auch Nutzer, die bislang kein Google-Profil haben, werden fortan mit Suchergebnissen versorgt werden, die auf die Google+
Profile prominenter Zeitgenossen verweisen.
Für die Veränderungen dürften sich neben den Google-Nutzern auch Kartellwächter interessieren: Google will das eigene soziale Netzwerk auf aggressive Weise über die mächtige Suchmaschine vermarkten, die ihrerseits in vielen Ländern einsamer Marktführer ist. Die EU-Kommission untersucht schon jetzt, ob Google seine Marktmacht in unfairer Weise zur Förderung eigener Dienste einsetzt. Auch bei der US-amerikanischen Federal Trade Commission (FTC) läuft seit Mitte 2011 eine derartige Untersuchung.
Gehaltsversprechen von Larry Page für soziale Dienste
Google hatte Google+ im vergangenen Jahr gestartet, nachdem zuvor mehrere Versuche gescheitert waren, eine echte Alternative zu Facebook zu etablieren. Die Nutzerzahlen schnellen zwar seither nach oben, doch der Abstand zu Facebook – dessen aktueller Stand: über 800 Millionen aktive Nutzer – ist noch immer gewaltig. Google+ lag im Oktober 2011 Google zufolge bei 40 Millionen registrierten Nutzern. Selbst intern gab es zuletzt Kritik. Google+ sei ein Beispiel “für unser komplettes Unvermögen”, soziale Plattformen zu verstehen, postete der Google-Ingenieur Steve Yegge im Oktober auf seiner Google+-Seite. Er tat es versehentlich und lieferte damit auch noch ein Beispiel für die immer noch etwas unübersichtliche Benutzerführung des Dienstes.
Wie wichtig das Thema soziales Netz für den Suchkonzern ist, machte Google-Chef Larry Page im vergangenen Jahr deutlich. Falls die neue soziale Strategie aufgehe, werde der Quartalsbonus um ein Viertel höher ausfallen, versprach Page seinen Angestellten in einem internen Memo.
Bei Google mag man den direkten Zusammenhang nicht bestätigen. “Das Ziel ist nicht, die Popularität von Google+ zu erhöhen, sondern die Nutzer mit den relevantesten Informationen zu ihrer Suchanfrage zu versorgen”, sagt Ben Gomes, einer der Entwickler des neuen Systems. Allerdings räumt der Ingenieur ein, dass “Search plus Your World” bislang im Wesentlichen auf Google-Daten zurückgreift. Dies sei jedoch allein deshalb der Fall, weil Google “keinen uneingeschränkten Zugriff” auf die Daten anderer sozialer Netzwerke habe. Tatsächlich ist beispielsweise Googles Zugriff auf die gewaltige Datenbank von Facebook bislang stark eingeschränkt. Zwar findet der Dienst Profile und auch öffentlich geteilte Inhalte, etwa Fotos, die bei Facebook gepostet wurden, aber die Ergebnisse sind unsystematisch und berücksichtigen nicht den “Social Graph”, das Beziehungsgeflecht zwischen den Internetnutzern.
Mehr persönliche Daten gebündelt als je zuvor
Gomes hält es für überfällig, eine Suchmaschine zu haben, die “das eigene Zeug und das der Freunde” aufspürt und bündelt. “Wir sind an einem Punkt, an dem die Menge der personenbezogenen Daten im Netz so groß geworden ist, dass es notwendig wird, sie durchsuchen und ordnen zu können”, sagt er.
Singhal glaubt: “Dies ist eine Suchmaschine, die mich wirklich kennt, und die mir eine Ergebnisseite zurückgibt, die nur ich sehen kann”, sagt er. Die meisten Nutzer hätten in Tests positiv auf die Neuerung reagiert. Die Google-Ingenieure haben dafür gesorgt, dass Ergebnisse, die auf persönlichen Daten gründen, durch kleine Symbole klar von traditionellen Suchergebnissen unterscheidbar sind. Auch werden die Ergebnisseiten künftig per SSL verschlüsselt übertragen. Neue Diskussionen um Datensicherheit und -missbrauch sollen schon im Keim erstickt werden. Klar ist jedoch: Die neue Suche führt Nutzerdaten in bislang ungeahntem Ausmaß zusammen – gespeicherte Suchanfragen, persönliche Kontakte, Social-Network-Postings: Spätestens jetzt wird alles miteinander verknüpft. Ein Nutzer, der Google+ und die neue personalisierte Suche nutzt, wird dem Konzern mehr über sich verraten als je zuvor.
Eine maßgeschneiderte Ergebnisliste mit einem “schönen Mix” aus personalisierten und herkömmlichen Ergebnissen verspricht Singhal. Wem das alles zu persönlich ist, dem sei eine Schaltfläche mit einem kleinen Globus rechts oben auf der Google-Ergebnisseite empfohlen.
Mit einem Klick lässt sich dort die gute alte Standardsuche wiederherstellen.

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