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Sandguss

Bei Sandguss-Technik handelt es sich um eine Gusstechnik in einer verlorenen Form. Nach dem Guss kann die Form nicht noch einmal benutzt werden.

Die benötigten Werkzeuge für diese alte Gusstechnik:
  • Formsand (Quarz mit einer Korngröße von etwa 0,05 mm)
  • Formrahmen ( auch Formflasche)
  • Stößel
  • ein Sieb
  • Formpuder (hergestellt aus den Samen einer Bärlapp-Pflanze) auch: Lycopodiumpulver
Der Rahmen besteht meist aus zwei eisernen Rahmen, die mittels Stiften genau aufeinander steckbar sind. Bei einem stehenden Guss befindet sich der Trichter zum Eingießen an einer Seite des Rahmens, bei einem liegenden Guss wird der Gusstrichter meist direkt in der Sandschicht angelegt, durch den das flüssige Metall eingefüllt wird.

Formrahmen für Sandguss
Formrahmen für Sandguss
Die Formhälfte, in der sich die Löcher für die Führung befindet wird auf eine ebene Fläche Sandguss weiterlesen

Tauschierung

Tauschierung

Beim Tauschieren handelt es sich um eine Oberflächen-Ziertechnik (ähnlich einer Intarsie), bei der ein weicheres Metall in die Vertiefungen eines härteren Metalls mit einer anderen Farbe mit einem Hammer eingeschlagen wird. Meistens erzeugt man linienförmige, aber auch flächige oder punktförmige Kontraste.

Das eingeschlagene Metall ist oft edler als das Grundmaterial. Der umgekehrten Fall ist

Tauschierung, Gürtelschnalle
Gürtelschnalle mit Tauschierung (Silberdraht in Eisen)
1. Hälfte 7. Jh.
Eisen, Silber,Teilvergoldung
aus: Schmuck aus drei Jahrtausenden v. Hanns-Ulrich Haedeke

aber natürlich auch möglich. Oft anzutreffen ist diese Variante bei Geräte und Schmuck aus dem arabischen Raum. Einem gläubigen Moslem war es früher nicht gestattet Gegenstände aus reinem Gold zu besitzen. Diese Vorschrift wurde durch Tauschieren mit unedleren Metallen geschickt umgangen.

Besonders reizvolle Kontraste erreicht man mit Silber in Stahl, Silber in Gold oder Bronze, Kupfer in Silber, Gold in Platin usw.. Um die Arbeit zu erleichtern ist das eingehämmerte Metall meistens weicher. Umgekehrt, wenn auch etwas aufwendiger ist das Tauschieren aber auch möglich, wie zahlreiche arbeiten aus der Antike bis in unsere Zeit belegen.
Man unterscheidet drei verschiedene Formen der Tauschierung.
  • Flachtauschierung
  • Relieftauschierung
  • Oberflächentauschierung
Bei der Flachtauschierung schließt das in die Vertiefungen eingehämmerte Metall mit der Oberfläche des Grundmetalls ab, während es bei der Relieftauschierung leicht erhaben über die Grundfläche herausragt und mehr Plastizität erhält. Bei der Oberflächentauschierung schlägt man das Metall für das Ornament auf einer zuvor aufgerauten Oberfläche fest.

Herstellung der Vertiefungen

Das Muster oder Ornament arbeitet man durch verschieden spanende (spanabhebende) oder umformende Techniken aus dem Grundmetall heraus. Das Gravieren mit einem Stichel, Meißel oder Einreiben mit einem Punzen seien hier genannt. Auch eine Kombination verschiedener Techniken kann erforderlich sein. Diese Arbeitstechniken entsprechen eher der Arbeitsmethoden von Graveuren und Ziseleuren, in der Wirkungsbereich das Tauschieren gewöhnlich fällt.
Bei Goldschmieden sind diese Techniken heutzutage eher selten verbreitet. Es lassen sich aber Vertiefungen auch durch Ätzen, Fräsen oder Drehen erzeugen. Gerade Linien können auch ausgesägt oder ein-gefeilt werden, insbesondere dann, wenn die Vertiefung bis zum Rand des Werkstücks durchlaufen.
Deutlich haltbarer ist eine Tauschierung, wenn die Linien unterschnitten sind,d.h., dass die Linien am Grund breiter sind als an der Metalloberfläche. Das Einlagemetall wird dann unter die obere Kante „gesprengt“ und ein Herausfallen ist dann nahezu ausgeschlossen.
Zur besseren Haltbarkeit werden breite Vertiefungen am Grund aufgeraut, so dass kleine Widerhaken gebildet werden, die sich wie Klammern mit der Einlage verbinden. Dies ist bei einer flächigen Tauschierung erforderlich. Das Aufrauen kann mit Fräsern, Punzen oder Meißeln erfolgen. Die Fläche erhält dann einen Kreuzhieb, ähnlich wie bei einer Feile, in dem man mit dem Werkzeug in verschiedene Richtungen arbeitet.

Einhämmern der Einlage

Die Bearbeitung des Metalls für die Einlage hängt von der gewünschten Tauschierungsart ab.

Flach- Tauschierung

Bei einem Muster aus Linien benutzt man als Einlagematerial einen Runddraht. Dieser

Flach-Tauschierung, Grafik
Flach-Tauschierung

muss im Durchmesser etwa 30 % größer sein als die obere Öffnung der Grube, die gefüllt werden soll. Der Draht wird an einem Ende der Grube mit leichten Hammerschläge eingeschlagen und fixiert. Nun treibt man von diesem Anfangspunkt ausgegehend, den Draht bis zum anderen Ende der Grube mit dem Bretthammer oder einem Punzen. Würde man von beiden Seiten beginnen, käme es zu Verwölbungen oder einem Materialstau. Durch die Schläge passt sich der Draht dem Schwalbenschwanz-förmigen Querschnitt der Grube an bzw. verzahnt sich mit ihrer Grundfläche. Zum Schluss wird nochmals mit einem Flachpunzen über die gesamte Linie bzw. Fläche gezogen, wobei man auch den Grubenrand erfasst um eventuell vorhandene Unebenheiten zu korrigieren.

Flächige Einlage müssen mit entsprechenden Blechstücken erzeugt werden. Diese müssen auch etwas größer sein als die dafür vorgesehene Grube und am Blechrand der Unterschneidung angepasst werden. Das Blech wird leicht aufgetieft, so dass es sich problemlos in die Grube einpassen lässt und leicht erhaben über diese wölbt. Jetzt kann es mit einem Hammer oder einem Mattpunzen endgültig festgeschlagen werden.
Eine Flachtauschierung wird zum Schluss die gesamte Oberfläche abgefeilt, glatt geschliffen und poliert.

Relief- Tauschierung

Diese Variante zeichnet sich dadurch aus, dass man das eingetriebene Metall reliefartig stehen lässt. Es ragt über die Oberfläche der Grundfläche hinaus. Drähte werden mit einem Punzen getrieben, der die gewünschte Form aufweist. Bei größeren Flächen arbeitet man das Motiv mit einem Treibpunzen heraus. Das Motiv wird anschließend mit spanenden oder spanlosen Werkzeugen (Fräser, Meißel, Schaber oder Punzen usw.) nachgearbeitet um das Motiv zu formen und um saubere Konturen zu erhalten. Zum Schluss mattiert oder strukturiert man den Hintergrund um eine besser Kontrast zu erhalten.
Nacharbeit
Zur Erhöhung des Kontrastes kann man durch Behandlung mit entsprechenden Lösungen die Einlage oder das Grundmetall farblich verändern. Ähnliches lässt sich auch durch Erwärmung erzielen. Stahl wird z.B. gerne blaugrau brüniert. Silber lässt sich recht einfach schwärzen, wie ich es schon einmal beschrieben habe.
Noch ein wenig Geschichtliches zur Tauschierung
Der Begriff Tauschieren stammt aus dem Arabischen, von den Tauschen, einem Volk, deren Kunst in vorchristlicher Zeit vor allem in China verbreite war. In Europa war sie seit der frühen Bronzezeit bekannt, verschwand allerdings im frühen Mittelalter wieder und wurde nur noch in Asien ausgeübt. Von dort gelangte sie in gotischer Zeit über den Orient nach Spanien, Italien und in andere europäische Länder. Ihre Blütezeit in Europa erlangte die Technik im 16. Jahrhundert, es wurden nahezu alle Prunkrüstungen, Waffen und Geräte tauschiert (Silber in Stahl). Im 17. Jahrhundert geriet das Verfahren wieder fast in Vergessenheit, lediglich bei der Herstellung von Schmuck und Gerät sowie an Jagdwaffen wird sie hierzulande noch vereinzelt ausgeführt. In Asien lebte das Tauschieren dagegen weiter. Besonders Indien und Japan haben darin hervorragendes geleistet und die künstlerisch wertvollen Erzeugnisse, vor allem traditionelle Gegenstände wie Schwertschließen, sind für den Kenner beliebte Sammelobjekte.

Feuervergoldung – Fire Gilding

Das älteste Verfahren, metallische Überzüge zu erzielen, ist die Feuervergoldung bzw. Feuerversilberung.

Diese Technik wird zwar kaum noch angewendet, da die Sicherheitsvorschriften nur

Französische Pendeluhr mit Feuervergoldung
Französische Pendeluhr mit Feuervergoldung

selten eingehalten werden können und die galvanischen Verfahren sich durch ihre größere Einsetzbarkeit bewährt haben, doch gehört sie als eine der ältesten Techniken der Goldschmiede wissensmäßig zum Berufsbild des Goldschmieds. Es ist zu befürchten, dass die Kenntnis über diese jahrhundertelang angewandte Technik sonst verloren geht, ähnlich, wie es auch schon mit dem Verfahren der Granulation geschehen war. Außerdem ist dieses Verfahren beim verantwortungsbewussten Restaurieren alter Schmuckstücke zum Teil unumgänglich.

Gleich zu Anfang soll jedoch auf die hohe Giftigkeit der Quecksilberdämpfe hingewiesen werden, die während des Verfahrens entstehen:

VORSICHT:

nur unter einem starken, entgiftenden Abzug arbeiten!! Zusätzlich eine Atemschutzmaske mit einem Filtereinsatz gegen Quecksilberdämpfe tragen. Die entstehenden körperlichen Schäden sind äußerst groß und können zu lebenslangen körperlichen Leiden führen.

Außer dem bereits genannten Quecksilber wird für die Feuervergoldung natürlich Feingold (Feinsilber) benötigt. Des weiteren brauch man Salpetersäure und ein Hasenpfote (klingt skurril, lässt aber nur durch eine Bürste mit ähnlich dichten, weichen und kurzen Haaren ersetzen).

Herstellung des Amalgams

Zur Vorarbeit walzt man das Gold oder Silber sehr dünn aus, um es anschließend in kleine etwa 1*1 mm große Teilchen zu schneiden.
Unter den oben genannten Vorsichtsmaßnahmen wird chemisch reines Quecksilber in einer feuerfesten Porzellanschale von unten solange erhitzt, bis sich an der Oberfläche Kügelchen und Blasen bilden. Jetzt kommen die zurecht geschnittenen Edelmetallteilchen hinzu. Mit einem Holzstab, wenn nötig, das nun entstandene Amalgam umrühren, bis eine gleichmäßige Legierung entstanden ist.
Das Amalgam wird dann in destilliertem Wasser abgeschreckt. Das Wasser wird so lange erneuert, bis es klar und sauber auf dem Amalgam stehen bleibt. In diesem mit Wasser abgedeckten Zustand kann das Amalgam über einen längeren Zeitraum aufbewahrt werden.

Die Konsistenz des Amalgams ist ähnlich einer Paste und könnte schmierartig verrieben werden. Egal ob es sich um Gold- oder Silberamalgam handelt der Zustand ist der gleiche und beides besitzt eine silbrigglänzende, hellweiße Farbe.

Vorbereitung der veredelungsfähigen Metalle

Am einfachsten ist das Verfahren der Feuervergoldung bei Silber-Kupfer-Legierungen anwendbar. Derartige veredelte Gegenstände wurden als „Vermeil“ bezeichnet. Auch Kupfer und Bronze können nach entsprechender Vorbereitung vergoldet werden. Messing, Eisen und Edelstahl müssen zunächst verkupfert werden.

Da sich die Vergoldung nur mit metallisch reinen Oberfläche verbindet wird der Gegenstand zunächst mit verdünnter Salpetersäure behandelt. Die Fläche wird somit gereinigt und fettfrei.

Um die Spannungsdifferenz zwischen dem Metall des Gegenstands und dem Metall des Überzugs zu verringern, wird der Gegenstand verquickt (Quickwasser ist eine Mischung aus Quecksilber und Salpetersäure im Verhältnis 10/11). Quickwasser bewirkt, dass das Grundmetall zunächst mit einer fest haftenden Quecksilberschicht bedeckt wird, auf der das Amalgam gut aufgetragen werden kann. Am zweckmäßigsten ist es den Gegenstand kurz in der Lösung zu tauchen. So ist sichergestellt, dass die gesamte Oberfläche bedeckt wird und das Amalgam später überall anhaften kann.

Auftragen des Amalgams

Mit einem Spachtel, der zuvor ebenfalls verquickt wurde, holt man das Amalgam aus dem Behälter, in dem es unter Wasser lag und verteilt es auf der Oberfläche. Da dieses Verteilen so nur grob erfolgen kann, kommt jetzt die Hasenpfote mit ihrem dichten,weichen und kurzen Haaren zum Einsatz. Beim Verteilen bleibt somit nichts zwischen den Haaren hängen und man erhält eine gleichmäßige Oberfläche des Amalgams. Alternativ kann aber auch eine Bürste mit ähnlichem haar verwendet werden. Auch diese sollte zuvor in Quickwasser getaucht werden.

Abrauchen
Der gefährlichste Teil der Feuervergoldung.
Am besten geeignet ist hier ein Holzkohlenfeuer, weil der Gegenstand über den Kohlen langsam erwärmt und die Temperatur recht gleichmäßig gehalten werden kann.
Das Amalgam verflüssigt sich und kann durchaus in Rillen oder Fugen fließen. Es muss also gegebenenfalls mit der Hasenpfote oder einem Pinsel gleichmäßig verteilt werden.
Ist die Siedetemperatur des Quecksilbers erreicht, entweicht es als Quecksilberdampf als weißer Rauch – „es raucht ab“ (das gefährlichste des ganzen Verfahrens). Der Überzug verliert seine Dünnflüssigkeit und seinen Glanz, er wird allmählich mattgelb. Das Edelmetall nähert sich bis auf Atomabstand dem Unterlagenmetall und geht dadurch ein feste Verbindung ein.

Sollte der Überzug stellenweise trüb und blass sein, so sind noch Reste des Quecksilbers in der Beschichtung enthalten. Dieses Quecksilber kann durch erneutes Erhitzen ausgetrieben werden.

Nachbehandlung der Feuervergoldung
Wenn der Gegenstand völlig vom Quecksilber befreit ist lässt man ihn erkalten. In Schwefelsäure werden eventuell entstandene Oxide entfernt. Danach wird der Gegenstand mit Wasser gespült und nochmals kurz erwärmt um einen satteren Farbton zu erhalten.
Feinmetallüberzüge, die durch Feuervergoldung oder -versilberung entstanden sind, sind immer matt. Wird aber eine polierte Oberfläche gewünscht, darf nicht mit einem Poliermotor gearbeitet werden, da sonst der Überzug wieder abgetragen wird. Derartige Metallüberzüge dürfen nur mit einem Polierstahl oder einem Polierstein (Hämatit) poliert werden.
Nochmals weise ich hier auf die Gefahr durch das Einatmen von Quecksilberdämpfen bei der Feuervergoldung hin. Die Folgen sind zunächst Zahnfleisch- und Rachenentzündungen, nervöse Störungen, Reizbarkeit, allgemeine Schmerzen, Muskelzittern und Gedächnisschwund.
Die Feuervergoldung gehört also in die Hände von Spezialisten.