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Kokosnuss-Ring mit Zuchtperle

Kokosnuss-Ring mit Zuchtperle

Wer des öfteren auf meinem Blog vorbeischaut, dem ist sicherlich schon meine Begeisterung für das Verarbeiten von Kokosnuss-Schalen (bzw. kleinen Stücken aus dieser) in ungewöhnlichen Schmuckstücken aufgefallen.

Ich mag dieses Material, besonders aus gestalterisch-kreativer Sicht, da es ein Erscheinungsbild hat, welches nicht mit irgend etwas anderem vergleichbar ist. Auch die Edelhölzer, die für Schmuck verarbeitet werden können, sehen anders aus. Viele, die ich frage, ob sie mir sagen können, welches Material ich hier verarbeitet habe meinen, dass es sich um ein Edelholz handelt. Wenn ich ihnen dann sage, dass es sich um Kokosnuss handelt, können die meisten es nicht glauben.

Das Schöne an der Kokosnuss-Schale ist, dass sie sehr unterschiedliche Oberflächen

Kokosnuss-Ring mit Zuchtperle
Kokosnuss-Ring mit Zuchtperle

haben kann. Die Gestaltung der Oberfläche hängt dabei sehr davon ab, inwieweit sie abgetragen wird. Die Oberfläche kann ihre Struktur behalten, wie bei diesem Kokosnuss-Ring mit Zuchtperle oder aber man kann die Oberfläche ganz plan abfeilen. Je nach Schale kann es auch vorkommen, dass diese eine mehrfarbige Struktur besitzt, wie es bei anderen von mir bereits vorgestellten Schmuckstücken der Fall war. Dazu bitte einfach rechts auf Kokosnuss klicken.

Nun aber zu diesem neuen Kokosnuss-Ring mit Zuchtperle in Silber gearbeitet.

Bei diesem Ring sitzt ein dekorativer Ringkopf auf einer ganz schlichten Ringschiene. Wie schon bei anderen Schmuckstücken habe ich den warmen Braunton der Kokosnuss mit dem kühlen, eleganten Glanz einer Perle kombiniert. Ich finde das harmoniert einfach gut zusammen und betont sich gegenseitig.

Der Ringkopf hat einen Durchmesser von 22 mm. Gut 1/3 dieses kreisrunden Kopfes ist mit einem Silberblech verschlossen. Zum Außenbereich hin ist dieses Blech poliert. Zur Kokosnuss hin weist das Bleche eine grober werdende Struktur auf, die an der Übergangskante recht grob wird und die Oberfläche der Kokosnuss wieder aufnimmt. Neben dieser Übergangskante vom Silberblech zur Kokosnuss ist in die Kokosnuss eine kreisrunde Vertiefung eingefräst. Hier ist die Perle mit einem Durchmesser von 5,5 mm auf einem Stift mit einem 2-Komponenten-Kleber fixiert. Perlen werden in der Regel auf einem Stift mit Klebstoff befestigt. Das Kokosnuss-Stück ist aber durch die Außenzarge fachgerecht gefasst worden. D.h., dass die Oberkante der Zarge auf das Stück der Kokosnuss bündig aufgedrückt wurde.

Auch bei diesem Kokosnuss-Ring mit Zuchtperle ist das Kokosnuss-Element über

Kokosnuss-Ring mit Perle
Kokosnuss-Ring mit Perle

mehrere Jahre ausgetrocknet damit es sich nicht im Nachhinein verziehen kann. Nach der Politur ist es zusätzlich mit einer Lackschicht überzogen um es vor Feuchtigkeit zu schützen. Dennoch sollte man, wie eigentlich bei jedem Schmuck, den Ring zu Waschen der Hände ablegen.

Die Größe von diesem Kokosnuss-Ring mit Zuchtperle ist 55, d.h., dass der Innendurchmesser 17,5 mm beträgt. Die Breite der Ringschiene beträgt 3,8 und die Stärke 1,8 mm.

Schmuck mit Kokosnuss

Schmuck mit Kokosnuss hat eine lange Tradition.

Ich habe an mehreren Stellen ja bereits Schmuck mit Kokosnuss vorgestellt. Was viele vermutlich nicht wissen ist, dass sich Goldschmiede schon vor langer Zeit mit diesem holzähnlichen Material beschäftigt haben.

Doch zunächst erst einmal Allgemeines zu der Kokosnuss. Die

Schmuck mit Kokosnuss, Ring
Schmuck mit Kokosnuss, Ring

Bezeichnung Kokosnuss stammt vom spanischen Wort „coco“ , als Kosenamen für ein kleines Kind, angeblich, weil man leicht Masken aus der Kokosnuss schnitzen kann. Der Begriff Kokos taucht im Deutschen erstmals 1595 bei Hulsius auf, während „Kokosnuss“ erst für das Jahr 1688 nachweisbar ist.

Andere Bezeichnungen im Deutschen waren um 1479 „Meeresnuss“ oder „indianische Nuss“ (um 1520).
Eine eindeutige Benennung der Kokosnuss erfolgte erst im 17. Jahrhundert.

Die Kokosnuss im heutigen Sinne bezeichnet die etwa menschenkopfgroße Frucht der verschiedener Arten der in den tropischen Küstenregionen verbreiteten Kokospalme. Als

Kulturpflanze mit der Bezeichnung Cocoa nucifera wird sie vor allem in Sri Lanka, auf den Philippinen, in Indonesien, Indien, Malaysia, Mexiko und Neuguinea angebaut. In der Regel versteht man unter Kokosnuss nur den 12-15 cm großen, sehr harten Kern der Nuss.

 Die größte Baumfrucht der Erde hingegen ist die bis zu 25 kg schwere Seychellennuss mit einer Länge von etwa 45 cm. Auch diese Nuss wird bis heute verarbeitet.

Geschichtliches und Verarbeitung der Kokosnuss

Die Seychellennuss wurde durch Meeresströmungen oft bis zu den

Anhänger Silber Kokosnuss mit Turmalin
Anhänger Silber Kokosnuss mit Turmalin

Malediven getrieben. Hier galt sie als unbekannte Meerespflanze. Sowohl in China als auch im gesamten Orient schrieb man dieser harten, schwarzen, gelb-gestreiften Nuss im Mittelalter die Kraft zu Gifte unschädlich zu machen. So wurden aus ihr nicht nur Gefäße und Schalen zu Aufbewahrung von Speisen hergestellt, sondern auch Medikamente gegen Fieber, Herzrasen, Lähmungen oder Fallsucht. Diese Gerüchte über die „Meeresnuss“ gelangten auch ins mittelalterliche Europa und es entstand ein Bedarf an dieser heilenden Frucht. Um den Bedarf decken zu können wurden die ebenfalls durchs Meer angespülten Kokosnüsse als „Meeresnüsse“ gehandelt.

Somit kann es sein, dass die Wertschätzung der Kokosnüsse als Werkstoff für Pokale und Becher im spätmittelalterlichen Europa nur auf eine Verwechslung mit der Seychellennuss zurückzuführen ist. Die erste echte Seychellennuss gelangte erst im Jahr 1602 durch niederländischen Admiral Wolfer Hermanszen nach Europa. Auch dieser Admiral hielt diese Nuss für die Frucht ein Meerespflanze und verkaufte sie an Kaiser Rudolf II für 4000 Gulden. Die Herkunft der Seychellennuss wurde erst 1770 mit der Entdeckung der Fächerpalme (Lodoicea seychellanum) durch Sonnerat geklärt. Das Interesse der Gold- und Silberschmiede an dieser Nuss war aber bereits verloren gegangen.

Verarbeitung

Der hölzerne Kern der Kokosnuss hat eine knochenharte Schale, die sich gut bearbeiten und polieren lässt. Bedingt durch die Form sind Kokosnüsse vorrangig zu Pokalen und Gefäßen verarbeitet worden. Vor allem in Tirol, Nürnberg, Konstanz und anderen süddeutschen

Anhänger mit Kokosnuss und Perle
Schmuck mit Kokosnuss, Anhänger mit Kokosnuss und Perle

Städten entstanden derartige Arbeiten seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Eines der ältesten Stücke ist ein in Tirol gefertigter Pokal ( Schloss Ehrenburg/Tirol) aus dem Jahr 1480. Er ist mit vergoldetem Silber gefasst und hat später ein Innenfutter erhalten. Berühmte Goldschmiede haben bei der Herstellung dieser Pokale und Becher zusammengearbeitet. Zu den schönsten in Zusammenarbeit entstandenen Stücken gehört der Holzschuher-Pokal der um 1535 von Peter Flötner und Melchior Baier hergestellt wurde. Er befindet sich heute im Nationalmuseum in Nürnberg. Andere bekannte Pokale sind ein Kokosnuss-Pokal ( Grünes Gewölbe, Dresden) nach Entwürfen von Hans Sebald Beham aus dem Jahr 1560 und ein von Michael Mader (Ende 16 Jh.) nach Entwürfen von Jacob Mores d. Ä. gearbeiteter Pokal, die die kunstvolle Verarbeitung von Kokosnuss-Schalen veranschaulichen.

 

Naheliegender Weise ähneln sich alle Pokale und Becher in ihrem Aufbau und unterscheiden sich nur in ihrer Größe, der Art ihrer Fassungen, Beschnitzungen oder der hin und wieder eingearbeiteten Innenfutter. Im 16. Jahrhundert treten als neue Verarbeitungsform die sogenannten „Eulenbecher“ auf. Die Form der Kokosnuss bildet einen Eulenkörper nach, der durch Schnitzarbeiten ein Federkleid bekommen hat. Der Kopf (als Deckel), sowie die Füße und Flügel wurden in Silber gearbeitet und konnten durchaus beweglich sein.

Die Kokosnuss verliert durch Seehandel an Wert

Durch den Seehandel der Niederländer verlor der Wert der Kokosnuss im 17. Jahrhundert. Es entstanden nur noch Kokosnuss-Becher in einfachen Formen, da sich der große Aufwand bei sinkendem Wert des Rohstoffs nicht mehr lohnte, bis die Verarbeitung zu Geräten im 18. Jahrhundert völlig aus der Mode kam.
Auch wenn die Verarbeitung von Kokosnuss aus der Mode gekommen sein mag, so halte ich dieses Material für die Herstellung von Schmuck mit Kokosnuss für eine gut aussehende Alternative. Es ist ein schönes Material, das sich sehr gut verarbeiten lässt und durch seine Oberflächenstruktur und Maserung eine wirklich attraktive Erscheinung hat. Je nachdem, wie weit ich die Oberfläche bearbeite, lässt sich eine grobe oder auch eine glatt polierte Oberfläche erzielen. Hinzu kommt, dass es einfarbig braune, wie auch gelblich gestreifte Schalen oder Teilbereiche in der Schale gibt.
Da ich in den meisten Fällen nur kleine Stücke aus der Schale für meine Schmuckstücke verarbeite, kann ich die vorgegebene, stark gekrümmte Form durch genaue Auswahl und Bearbeitung stark reduzieren und so auch Kettenanhänger oder Ringe herstellen, in denen Kokosnuss verarbeitet ist. Meinen Kunden gefällt dieser etwas ungewöhnliche Schmuck, auch, oder gerade weil die Kokosnuss nicht sofort erkennbar und ungewöhnlich ist.

Silberring mit Kokosnuss

Silberring mit Kokosnuss

Neulich ist mir eine alte Bekannte über den Weg gelaufen, am Finger einen Silberring mit Kokosnuss.

Genauer gesagt war es eher die Trägerin eines von mir vor ein paar Jahren gefertigten Ringes. Ich glaube, dass es fünf oder sechs Jahre her sein müsste.

Silberring mit Kokosnuss
Silberring mit Kokosnuss

Zu dem Zeitpunkt, als ich den Ring gefertigt hatte, gab es diesen Blog noch nicht und ich habe auch bei weitem nicht so viel von meinen angefertigten Schmuckstücken photographiert.

Auch dieser Ring wurde von mir in Sterlingsilber (925/000) gefertigt. Der farbliche Kontrast ist deutlich schöner zwischen dem kalten Ton des Silbers und den warmen Brauntönen der Kokosnuss.
Das soll aber nicht heißen, dass ich nicht auch Schmuck aus Gold in Kombination mit Kokosnuss anfertigen würde.

Bei diesem runden Ringkopf habe ich einen Draht aus Silber in die vorgegebene Struktur der Nuss eingearbeitet, und dass Stück ansonsten nur poliert, um die grobe schön strukturierte Oberfläche zu erhalten.
Ich hatte in diesem Fall das untere „Nahtstück“ aus der Kokosnuss verarbeitet. Damit meine ich den Bereich, der bei einer hängenden Kokosnuss ganz unten zu finden ist. Die Härte ist hier anscheinend noch etwas höher als im gesamten Restbereich einer Kokosnuss. Zumindest hatte ich bei der Bearbeitung den Eindruck und die Tatsache, dass die Oberfläche der Schale bei diesem Ring immer noch wie neu aussieht, bestätigt das. Es sind nur ganz geringe Gebrauchsspuren zu erkennen, die aber auch bei einem Edelstein nach einigen Jahren zu erkennen wären. Wobei es natürlich auch eine Frage der Pflege und Benutzung handelt.