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Verwechslungsmöglichkeit mit der Tauschierung.

Verwechslungsmöglichkeit mit der Tauschierung

Es gibt einige Ziertechniken,  deren Verwechslungsmöglichkeit mit der Tauschierung recht groß sind und auf den ersten Blick ähnlich erscheinen. Dies, obwohl das Erscheinungsbild der Tauschierung durch die Verwendung

Tauschierung Gürtelschnalle, Verwechslungsmöglichkeit mit der Tauschierung
Gürtelschnalle mit Tauschierung (Silberdraht in Eisen) 1. Hälfte 7. Jh. Eisen, Silber,Teilvergoldung
aus: Schmuck aus drei Jahrtausenden v. Hanns-Ulrich Haedeke

von nur zwei verschiedenen Metallen und somit nur wenigen Farbkombinationen recht klar ist.

Besonders groß ist die Verwechslungsmöglichkeit mit der Tauschierung natürlich bei Techniken, die ebenfalls auf der Basis metallischer Kombinationen beruhen.

Eingewalzte Metalle

Vor allem bei dieser Technik ist die Verwechslungsmöglichkeit mit der Tauschierung groß. Eingewalzte Metallstücke, die eventuell zuvor aufgelötet wurden, eingeschmolzene (z. B. Feingold in Platin) oder beim Guss eingebettete Einlagen haben eine sehr große Ähnlichkeit mit der Tauschierung. Auch gibt es heutzutage Streifenbleche aus verschieden farbigen Metallen, die man fertig bei Scheideanstalten oder Lieferanten beziehen kann. Der Herstellungsaufwand für einem ähnlichen optischen Erscheinungsbild ist hier wesentlich geringer.

Inkrustierung

Das galvanische Verfahren der sogenannten Inkrustierung wurde als Nachahmung-Verfahren und als Verwechslungsmöglichkeit mit der Tauschierung entwickelt. Es ähnelt der Technik der Niello-Imitation und ergibt das Aussehen einer Flachtauchierung, die bezüglich ihrer Schönheit der Tauschierung des Altertums sehr nahe kommen kann.

Zunächst poliert man hierbei den zu bearbeitende Gegenstand fertig. Danach wird der Hintergrund des aufzutragenden Ornaments als Abdeckung auf die polierte Fläche übertragen. Einzelstücke oder kleine Serien werden mit Decklack überzogen und das Muster mit einer Radiernadel eingeritzt oder mit einem Stichel eingraviert. Alternativ kann man mit Deckweiß eine Zeichnung mit einem feinen Pinsel übertragen. Die freien Flächen streicht man mit Decklack ein, lässt ihn trocknen und legt den Gegenstand anschließend in Wasser, damit sich das Deckweiß auflöst und die Zeichnung freilegt.

Vor allem durch Ätzen oder elektrochemisches Abtragen kann man nun die Gruben für das Einlegemetall ausheben lassen. Diese Gruben werden anschließend, um eine Verwechslungsmöglichkeit mit der Tauschierung zu erzielen, auf galvanischem Wege wieder bündig mit einem andersfarbigem Metall auffüllen. Der Abdecklack wird entfernt und die Oberfläche mit dem Ornament wird geschliffen und erneut poliert.

Weniger haltbare galvanische Bearbeitung

Eine weitere, aber nicht besonders haltbare Möglichkeit zur Nachahmung der Tauschierung, ist das normale Galvanisieren der Oberfläche, ohne zuvor ausgehobene Gruben. Hier wird mit einem Stift-Galvanisiergerät ein Ornament auf die Oberfläche aufgetragen. Auch viele andere Teilfärbungen und Teilbeschichtungen stellen eine Verwechslungsmöglichkeit mit der Tauschierung dar. Diese galvanischen Überzüge sind aber nicht besonders beständig.

Mokume Gane, Niello, Damaszierung

Auch bei diesen Techniken besteht eine gewisse Ähnlichkeit. Da diese Techniken allerdings schwieriger und aufwendiger in ihrer Durchführung sind als die Tauschierung, kann man diese Verfahren wohl dazu nutzen eine Tauschierung zu imitieren.

Ossa-Sepia-Guss

Ossa-Sepia-Guss  – Gusstechnik mit verlorener Form

Um zu wissen, um was für ein ungewöhnliches Hilfsmittel es sich beim Ossa-Sepia-Guss handelt, das hier zum Gießen verwendet wird, erkläre ich zunächst, was eine Ossa-Sepia-Schale eigentlich ist.

Rückenschulp vom Tintenfisch
Rückenschulp vom Tintenfisch

Es handelt sich hierbei um den elliptischen Rückenschulp der Tintenfischart Sepia officinalis. Diese Schale befindet sich im Rücken des Tintenfischs direkt unter der Haut. Die Oberfläche dieser Schale ist grobkörnig und sehr hart; die feinkörnige Unterseite dagegen ist recht weich.Die Schalen haben eine Länge von 16-30 cm. Die Breite beträgt 5-10 cm. Sie bestehen hauptsächlich (80-90 %) aus Calciumcarbonat (kohlensaurer Kalk).

 Nach dem Tod der Tiere werden die Schalen nach deren Verwesung frei. Da sie sehr leicht sind schwimmen sie und treiben  durchaus an den Strand.

Auswahl der benötigten Schale

Die Größe, wie auch die Dicke der Schale richtet sich nach dem Gussmodell.

Die Schale sollte nicht vollkommen ausgetrocknet sein, keinerlei Risse haben und die weiche Innenseite sollte vorzugsweise ein leicht nach oben gewölbte Oberfläche haben.

Vorbereitung der Schale für einen zweiteiligen Ossa-Sepia-Guss

Nachdem die Wahl der beiden Schalen getroffen ist, befreit man diese von überflüssigen Randstücken. Die dünnen Enden lassen sich am besten mit einer Säge abtrennen. Sie finden keine Verwendung mehr.

Ist dies geschehen, feilt man beide Hälften auf der weichen Seite ab und zieht sie auf einem Abziehstein plan ab, damit sie nahtlos aufeinander passen. Um ein gutes Ergebnis zu erhalten ist diese Anpassen beider Hälften sehr wichtig. Sie müssen so aufeinander liegen, dass nichts kippelt!

 Nun wird in eine Hälfte das Gussmodell vorsichtig bis zur Hälfte seiner Höhe in den weichen Teil der Ossa-Sepia-Schale gedrückt. Neben dem Modell werden zusätzlich zwei oder drei Markierungshilfen (kleine Blechwinkel oder ähnliches) mit eingedrückt, ebenfalls bis zur Hälfte.

Es ist wichtig, dass jeweils das breitere Endstück sich nachher beim Guss unten befinden

Ossa-Sepia-Guss, 3-teilig
Ossa-Sepia-Guss, 3-teilig

wird, da es mehr Halt gibt, wenn dies Schale zum gießen aufrecht gestellt werden. Möchte man einen Ring mit einem großen, massivem Kopf gießen, so sollte man den Ringkopf in den dickeren Teil der Ossa-Sepia-Schale drücken. Das heißt: der Ringkopf befindet sich beim Eingießen von Gold oder Silber unten. Der Ring sollte aber zum unteren Ende noch genügend Abstand besitzen, da das flüssige Metall ansonsten durchbrennen könnte. Ein Abstand von mindestens 1 cm sollte in der Regel ausreichen.

Sind diese Vorgaben berücksichtigt wird für den Ossa-Sepia-Guss das zweite Schalenstück passgenau auf das Erste gedrückt. Es muss so fest gedrückt werden, bis kein Zwischenraum mehr vorhanden ist. Stellt man beide Schalen jetzt auf die Seite, die später unten ist, kann man auf der Oberseite Markierungen anzeichnen oder leicht einritzen, die die Breite des Eingusskanals vorgeben.

Anlegen des Gusskanals

Danach trennt man die beiden Hälften vorsichtig  und entnimmt das Modell. Die Markierungen (Blechwinkel) bleiben natürlich in den Schalen. In beide Hälften schnitzt man jetzt mit einem scharfen Messer den Gusskanal. Er sollte sich Trichter-förmig nach unten verjüngen. Dies führt später zu einem erhöhten Einflussdruck des Metalls. Außerdem ist es zu empfehlen noch nach oben gerichtete Luftkanäle einzuschnitzen. Nach oben kann dann die Luft entweichen, ohne dass das Metall hineinfließen kann. Sind die Luftkanäle nach unten gerichtet, fließt das flüssige Metall hinein.

Jetzt steckt man beide Hälften mit Hilfe der Markierungen wieder zusammen  und verbindet mit Hilfe von Bindedraht fest miteinander.

Schließlich ist die Form für den Ossa-Sepia-Guss fertig.

Ossa-Sepia-Guss gehört mit zu den Guss-Techniken mit einer verlorenen Form. Die Form ist nicht mehr zu verwenden. Dasselbe galt ja auch schon für den vorgestellten Sandguss.

Es gibt neben dem zweiteiligen Ossa-Sepia-Guss auch einem mit drei Schalenteilen, den ich zu einem anderen Zeitpunkt vorstellen werde. Auf der obigen Skizze ist dieser schon zu sehen.

Glyptik – Steinschneidekunst

 Glyptik – auch Steinschneidekunst

Die Steingravur auch Steinschneidekunst oder Glyptik genannt, befasst sich mit der Anfertigung von Ziergegenständen, Kleinreliefs und Kleinplastiken.

Bis in die Altsteinzeit reichen die ersten Steingravuren zurück. Es handelt sich hierbei um simple, primitive Einritzungen in Steinblöcke und Felswände. Allerdings reichen auch die ersten Gravuren in Edelsteinmineralien schon bis in die Zeit der frühen Hochkulturen zurück. Die Sumerer, Babylonier und Assyrer versahen sogenannte Plattensiegel (später Rollsiegel) mit Vertiefungen aus verschiedenen Symbolen und Figuren, die zum Signieren dienten oder als Amulett getragen wurden.

Sumerisches Rollsiegel und Abrollung
Sumerisches Rollsiegel und Abrollung – Glyptik
Als Werkstoff dienten vor allem Achat, verschiedene Arten des Jaspis, Calcit, Lapislazuli und Hämatit. Die Arbeitsinstrumente waren anfangs Grabstichel mit Splittern aus Quarz oder Korund. Später gab es auch schon Schleifscheiben. Alexander der Große war es, der in Indien Pulver aus Diamant kennen lernte, welches zum Schleifen verwendet fand. Seit dem wurde Diamantpulver auch im Mittelmeerraum als Schleifmittel verwendet.
Die ersten selbständigen Figuren aus Edelsteinen sind die Skarabäen bei den alten Ägyptern. In der Antike hatte die Glyptik einen hohen Stellenwert. Die Griechen und auch später die Römer erreichten ein hohes Niveau in der Kunst des Steinschneidens. Im Mittelalter erhält die Steingravur durch die Heraldik zwar ein neues Wirkungsfeld, aber die Entwicklung stagnierte.

Glyptik wird in der Renaissance wieder populär

Erst durch die Renaissance erfährt die Glyptik einen neuen Höhepunkt und eine Weiterentwicklung.

Siegelring mit graviertem Heliotrop aus meiner Goldschmiede
Siegelring mit graviertem Heliotrop aus meiner Goldschmiede

Unter dem Mäzenatentum der reichen und kunstverständigen Kaufleute im Norden Italiens entstehen unter anderem Prunkgefäße aus vornehmlich Bergkristall, Achat, Jaspis und Lapislazuli in den Werkstätten in Mailand (Gebrüder Saracchi) und Florenz.

Seit dem gehört die Glyptik als fester Bestandteil zum Schmuckhandwerk, auch wenn ihre Bedeutung nicht immer gleich hoch war.

Hauptwerkzeug der Graveure ist heute eine kleine, elektrisch betriebene Drehbank mit einer waagerecht liegenden Welle. Je nach Form oder Beschaffenheit des zu bearbeitenden Edelsteins setzt man Arbeitsköpfe von unterschiedlicher Form und Härte auf die Welle. Heute gibt es Gravuren in allen Edel- und Schmucksteinen, einschließlich Diamant.

An die rotierende Spindel mit Umdrehungen von 1000 bis 5000 Umdrehungen pro Minute wird das Werkstück freihändig herangeführt und das notwendige Material abgetragen. Eine besondere Kunst ist es aus sogenannten Lagensteine (mehrschichtige Achate mit unterschiedlichen Farben) die Gravuren zu gestalten.
Je nach Art des Steinschnitts unterscheidet man die erhaben geschnittene Kamee von dem eingetieft geschnittenen Intaglio, ursprünglich auch als Gemme bezeichnet. Heute allerdings dient der Begriff zunehmend als Oberbegriff für beide Formen der Reliefgravur.