15th October – Occupy Wall Street – Erich Kästner

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Hier ist eine Übersicht der Länder in denen Veranstalltungen stattfinden werden. Wird Occupy Wall Street jetzt zur globalen Bewegung mit entsprechender Aufmerksamkeit? Nachdem heute in 951 Städten in  82 Ländern   Proteste gegen die Politiker und Finanz-eliten (?!) stattfinden sollen, bestätigt sich das Gedicht von Erich Kästner erneut.
Deshalb poste ich es ein zweites Mal in meinem Blog.
Wenn man liest, was Erich Kästner 1929

über Banker schrieb, fragt man sich natürlich: Was würde der Mann heute zu Papier bringen?

Hymnus auf die Bankiers

Der kann sich freuen, der die nicht kennt!
Ihr frag noch immer: Wen?
Sie borgen sich Geld für fünf Prozent
und leihen es weiter zu zehn.

Sie haben noch nie mit der Wimper gezuckt,
Ihr Herz stand noch niemals still.
Die Differenzen sind ihr Produkt.
(Das kann man verstehn, wie man will.)

Ihr Appetit ist bodenlos.
Sie fressen Gott und die Welt.
Sie säen nicht. Sie ernten bloß.
Und schwängern ihr eignes Geld.

Sie sind die Hexer in Person
und zaubern aus hohler Hand.
Sie machen Gold am Telefon
und Petroleum aus Sand.

Das Geld wird flüssig. Das Geld wird knapp.
Sie machen das ganz nach Bedarf.
Und schneiden den andern die Hälse ab.
Papier ist manchmal scharf.

Sie glauben den Regeln der Regeldetrie
und glauben nicht recht an Gott.
Sie haben nur eine Sympathie.
Sie lieben das Geld. Und das Geld liebt sie.

(Doch einmal macht jeder Bankrott!)

Anmerkung: Die Konsumenten sind die linke Hand des gesellschaftlichen Organismus, die Produzenten sind die rechte Hand. Die Bankiers sind die Heimlichkeiten zwischen den beiden.
(Erich Kästner)

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