Medizinisches Hilfsmittel aus meiner Goldschmiede

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Medizinisches Hilfsmittel

Dies ist ein sehr kurioser Auftrag, den ich durch den Universitätsklinik in Münster erhalten habe. In meiner Zeit, die ich als Goldschmied tätig bin, hat mich noch nichts anderes so erstaunt, wie diese Anfertigung. Ich habe zwar schon Werkzeuge für Kunden verändert oder eine Teekanne aus Porzellan mit einer Tülle aus Silber versehen, aber diese Arbeit war ganz besonders. Die Besonderheit lag nicht in der handwerkliche Herausforderung, sondern an der Tatsache, dass es sich um ein medizinisches Hilfsmittel handeln sollte.

 

Eine Frau kam zu mir in meine Goldschmiede nach Osnabrück und hatte mir ein ärztliches Rezept vorgelegt. Ich war natürlich sichtbar irritiert, zumal mir die Dame, da sie nicht perfekt deutsch sprach, auch nicht genau sagen konnte, was ich damit machen sollte. Um mehr Klarheit zu schaffen holte sie noch eine ausgedruckte Email, sowie zwei Photos aus ihrer Tasche.

In der Email hatte mich eine Mitarbeiterin der oben genannten

 

 

Medizinisches Hilfsmittel
Medizinisches Hilfsmittel – Stift für künstliche Körperöffnung

Klinik neben einem namhaften Juwelier empfohlen. Dieser Juwelier, den sie vor mir kontaktiert hatte, konnte die Arbeit nicht ausführen, was mich aber auch nicht wirklich verwundert. So gelang sie zu mir. Jetzt war sie bei einem Goldschmied, der das Handwerk gelernt hat und nicht bei einem Kaufmann, wie es die meisten Juweliere sind.

Ich habe lieber noch direkt im Krankenhaus nachgefragt

In der Email war auch eine Telefonnummer hinterlassen, um eventuelle Nachfragen zu klären. Ich rief sofort an um zu klären, worum es genau geht. Anhand der Photos war zu sehen, dass ein Stift bzw. Stab gefertigt werden sollte. Dieses sagte mir auch die Mitarbeiterin, mit der ich am Telefon sprach. Sie sagte mir, dass es sich um einen Stift aus Silber handelt, der zum Schließen einer künstlichen Körperöffnung sei. Ich erhielt Angaben über die notwendige Länge und darüber, dass die Mutter des Jungen, die vor mir stand, einen Katheter dabei haben müsste, bei dem ich den Durchmesser des zu fertigenden Stiftes nachmessen könne. Sie hatte einen Katheter in ihrer Tasche. Ich wusste nun genau worum es bei diesem Auftrag ging und sagte, dass ich das sicherlich fertigen könne.

 

Es war nach Angaben der Mitarbeiterin des Krankenhauses auch bereits alles mit der Krankenkasse geklärt.
Daraufhin habe ich dann die zuständige Krankenversicherung kontaktiert um den Ablauf der Kostenabwicklung auch geklärt zu haben, bevor ich mit meiner Arbeit loslegen konnte. Ich wurde freundlich darüber aufgeklärt, was ich zu tun hätte, damit die entstehenden Kosten abgerechnet werden können.

 

Sowohl die Arbeit, als auch der Ablauf der Bezahlung waren so fremd für mich, dass ich diese ungewöhnliche Anfertigung wohl immer in Erinnerung behalten werde. Es freut mich aber, zu wissen, dass ich auch in diesem nicht gerade klassischen Vorgang für einen Goldschmied, helfen konnte.
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