Organische Edelsteine – Koralle

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Koralle

Menschen haben schon zu Beginn ihrer Stammesgeschichte angefangen sich zu schmücken. Wie in der Tierwelt ging es auch den frühzeitlichen Menschen darum,aufzufallen oder dem anderen Geschlecht zu gefallen. Diese Verhalten hat eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die Entwicklung der Ästhetik. Die Natur gab und gibt viele Möglichkeiten sich zu schmücken. So gibt es in der Natur Knochen, Blüten, Pflanzensamen, Horn, Federn,Nüsse. Elfenbein und vieles andere mehr.
Auch Perlen, Bernstein und Koralle sind Naturprodukte, die sich finden lassen. Sie sind hierbei die einzigen Naturprodukte, die aus heutiger Sicht den kulturgeschichtliche und mineralogischen Anspruch eines organischen „Edelsteins“ erfüllen. Dies begründet sich aber nicht auf die typischen Kriterien wie Härte oder Kristallstruktur, sondern vielmehr auf ihrer Seltenheit, ihrer Schönheit und ihrem möglichen Farbenspiel. Auch die Schwierigkeit sie zu bekommen oder der Natur abzunehmen führte dazu, dass sie in den Kulturen in das Sortiment der Edelsteinen aufgenommen wurden.
 
Die Koralle

Schon vor etwa 2400 Jahren wurden Korallen im Mittelmeerraum zu Schmuck verarbeitet, was durch Grabfunde belegbar ist. Es gab einen antiken Handel mit Korallen, der sich bis nach Indien und China erstreckte. Der Koralle wurden magische Kräfte zugeschrieben, die das Böse abwehren sollten.

Polierter KorallenastPolierter Korallenast
Polierter Korallenast
Allgemeine Verwendung zu Schmuck oder Gegenständen des täglichen Gebrauchs (Kämme oder Messergriffe etc.) erlebte die Koralle in Europa im 15. Jahrhundert. Der Bedarf an Koralle (auch für medizinische Zwecke) führte somit immer wieder zur Vernichtung großer Korallenbänke. Dieses führte sich bis heute fort. Im 18. Jahrhundert erbrachten die Korallenbänke vor Sizilien jährlich von etwa 400 Tonnen Rohmaterial. 1990 beschränkte sich die Förderung im gesamten Mittelmeerraum nur noch auf 32 Tonnen. Dies führte dazu, dass heute die meisten geförderten Korallen aus den Meeren um Japan, aus dem Golf von Biscaya, dem Roten Meer, Hawaii, den Kanarischen Inseln und dem Malaiischen Archipel stammen.
Bei der Förderung werden weitmaschige, beschwerte Netze benutzt, die über den Meeresboden bis zu einer Tiefe von 300 m geschleppt werden. Bei dieser groben Fangmethode gehen bis zu 50 % der Korallen zu Bruch oder verschwinden in der Tiefe. Schonender ist die Gewinnung durch Taucher oder durch kleine Tauchboote, wie sie heute auch eingesetzt werden. Diese Methoden führen aber leider dazu, dass Korallen auch dort gefördert werden, wo die Netze nicht hinkommen. Als Schutzmaßnahme der Edelkoralle aus dem Mittelmeer wurde diese in die Bundesartenschutzverordnung für bedrohte Arten aufgenommen und der Handel somit erschwert. Nur durch weitere Schutzmaßnahmen kann auf lange Sicht der Fortbestand und der verständliche Wunsch nach dem roten Edelstein des Meeres gesichert werden.
 
Was ist eine Koralle?

Erst 1857 wurde der noch heute gebräuchliche Name „Anthozoa“ (Blumentiere) in die Korallensystematik eingeführt, nachdem man sich lange nicht darauf einigen konnte, ob es sich um Pflanzen oder Tiere handelt. Der Name bezieht sich auf die festsitzende Lebensweise und das astähnliche Aussehen aller Hohltiere, die nur als Polypengeneration vorkommen und ein Schlundrohr haben. Für die hier interessierenden Edelkorallen ist typisch, dass sie acht gefiederte Fangarme besitzen. Das Kalkskelett ist das Ausscheidungsprodukt einer wachsenden Polypenkolonie. Es besteht zu 84-87 % aus Calciumkarbonat. Weitere Bestandteile sind u.a. Magnesiumkarbonat, Calciumsulfat, Magnesiumchlorid, Eisenoxid. Edelkorallen wachsen sehr langsam, nur 1- 2 cm im Jahr. Große Korallenstöcke werden auf ein Alter von 50 Jahren und mehr geschätzt. Wichtige Bedingungen für das Wachstum sind felsiger oder fester Untergrund,wenig Wasserbewegung, geringe Temperaturschwankungen, stabiler Salzgehalt, gedämpftes Licht und vor allem sauberes,relativ warmes Wasser.

 
Verarbeitung
 
Nach der „Ernte“ werden die Weichteile von den Stöcken gerieben und nach Qualität sortiert. Im Rohzustand sind Korallen matt. Nach der Politur werden sie glasglänzend. Geschliffen wird mit feinkörnigem Sandstein und Schmirgel, poliert mit Filzrädern. Die Verwendung liegt in erster Linie in der Kugelform für Ketten und Armbänder. Es werden aber auch Cabochons (eine Form des Glattschliffs), kunstgewerbliche Gegenstände und Skulpturen gefertigt. Stabförmige Stücke werden gebohrt und zu Splitterketten aufgezogen.
Koralle CabochonKoralle Cabochon
Koralle Cabochon
Korallen sind empfindlich gegen hohe Temperaturen, Säuren und heiße Bäder. Durchs tragen kann die Farbe verblassen. Die Härte ist gering und liegt bei 3-4 in der Mohsskala (hierzu mehr an anderer Stelle im Blog )
Der Haupthandelsort ist seit über 200 Jahren Torre del Grecco südlich von Neapel, wo über drei Viertel aller Korallen verarbeitet werden.
Handelsbezeichnungen
 
Die Edelkoralle ist die begehrteste aller Korallenarten. Nach Fundorten und Qualitäten gibt es zahlreiche Handelsbezeichnungen. Ist die Farbe einheitlich hellrot bis lachsfarben bezeichnet man sie als MOMO, mittelrot heißt sie SARDEGNA, ochsenblutrot MORO und wenn sie zartrosa mit weißlichen oder rötlichen Flecken ist nennt man sie ENGELSHAUT-Koralle.
Schwarze oder blaue Korallen sind im Handel ohne Bedeutung.
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