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Schmuck mit Kokosnuss

Schmuck mit Kokosnuss hat eine lange Tradition.

Ich habe an mehreren Stellen ja bereits Schmuck mit Kokosnuss vorgestellt. Was viele vermutlich nicht wissen ist, dass sich Goldschmiede schon vor langer Zeit mit diesem holzähnlichen Material beschäftigt haben.

Doch zunächst erst einmal Allgemeines zu der Kokosnuss. Die

Schmuck mit Kokosnuss, Ring
Schmuck mit Kokosnuss, Ring

Bezeichnung Kokosnuss stammt vom spanischen Wort „coco“ , als Kosenamen für ein kleines Kind, angeblich, weil man leicht Masken aus der Kokosnuss schnitzen kann. Der Begriff Kokos taucht im Deutschen erstmals 1595 bei Hulsius auf, während „Kokosnuss“ erst für das Jahr 1688 nachweisbar ist.

Andere Bezeichnungen im Deutschen waren um 1479 „Meeresnuss“ oder „indianische Nuss“ (um 1520).
Eine eindeutige Benennung der Kokosnuss erfolgte erst im 17. Jahrhundert.

Die Kokosnuss im heutigen Sinne bezeichnet die etwa menschenkopfgroße Frucht der verschiedener Arten der in den tropischen Küstenregionen verbreiteten Kokospalme. Als

Kulturpflanze mit der Bezeichnung Cocoa nucifera wird sie vor allem in Sri Lanka, auf den Philippinen, in Indonesien, Indien, Malaysia, Mexiko und Neuguinea angebaut. In der Regel versteht man unter Kokosnuss nur den 12-15 cm großen, sehr harten Kern der Nuss.

 Die größte Baumfrucht der Erde hingegen ist die bis zu 25 kg schwere Seychellennuss mit einer Länge von etwa 45 cm. Auch diese Nuss wird bis heute verarbeitet.

Geschichtliches und Verarbeitung der Kokosnuss

Die Seychellennuss wurde durch Meeresströmungen oft bis zu den

Anhänger Silber Kokosnuss mit Turmalin
Anhänger Silber Kokosnuss mit Turmalin

Malediven getrieben. Hier galt sie als unbekannte Meerespflanze. Sowohl in China als auch im gesamten Orient schrieb man dieser harten, schwarzen, gelb-gestreiften Nuss im Mittelalter die Kraft zu Gifte unschädlich zu machen. So wurden aus ihr nicht nur Gefäße und Schalen zu Aufbewahrung von Speisen hergestellt, sondern auch Medikamente gegen Fieber, Herzrasen, Lähmungen oder Fallsucht. Diese Gerüchte über die „Meeresnuss“ gelangten auch ins mittelalterliche Europa und es entstand ein Bedarf an dieser heilenden Frucht. Um den Bedarf decken zu können wurden die ebenfalls durchs Meer angespülten Kokosnüsse als „Meeresnüsse“ gehandelt.

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Somit kann es sein, dass die Wertschätzung der Kokosnüsse als Werkstoff für Pokale und Becher im spätmittelalterlichen Europa nur auf eine Verwechslung mit der Seychellennuss zurückzuführen ist. Die erste echte Seychellennuss gelangte erst im Jahr 1602 durch niederländischen Admiral Wolfer Hermanszen nach Europa. Auch dieser Admiral hielt diese Nuss für die Frucht ein Meerespflanze und verkaufte sie an Kaiser Rudolf II für 4000 Gulden. Die Herkunft der Seychellennuss wurde erst 1770 mit der Entdeckung der Fächerpalme (Lodoicea seychellanum) durch Sonnerat geklärt. Das Interesse der Gold- und Silberschmiede an dieser Nuss war aber bereits verloren gegangen.

Verarbeitung

Der hölzerne Kern der Kokosnuss hat eine knochenharte Schale, die sich gut bearbeiten und polieren lässt. Bedingt durch die Form sind Kokosnüsse vorrangig zu Pokalen und Gefäßen verarbeitet worden. Vor allem in Tirol, Nürnberg, Konstanz und anderen süddeutschen

Anhänger mit Kokosnuss und Perle
Schmuck mit Kokosnuss, Anhänger mit Kokosnuss und Perle

Städten entstanden derartige Arbeiten seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Eines der ältesten Stücke ist ein in Tirol gefertigter Pokal ( Schloss Ehrenburg/Tirol) aus dem Jahr 1480. Er ist mit vergoldetem Silber gefasst und hat später ein Innenfutter erhalten. Berühmte Goldschmiede haben bei der Herstellung dieser Pokale und Becher zusammengearbeitet. Zu den schönsten in Zusammenarbeit entstandenen Stücken gehört der Holzschuher-Pokal der um 1535 von Peter Flötner und Melchior Baier hergestellt wurde. Er befindet sich heute im Nationalmuseum in Nürnberg. Andere bekannte Pokale sind ein Kokosnuss-Pokal ( Grünes Gewölbe, Dresden) nach Entwürfen von Hans Sebald Beham aus dem Jahr 1560 und ein von Michael Mader (Ende 16 Jh.) nach Entwürfen von Jacob Mores d. Ä. gearbeiteter Pokal, die die kunstvolle Verarbeitung von Kokosnuss-Schalen veranschaulichen.

 

Naheliegender Weise ähneln sich alle Pokale und Becher in ihrem Aufbau und unterscheiden sich nur in ihrer Größe, der Art ihrer Fassungen, Beschnitzungen oder der hin und wieder eingearbeiteten Innenfutter. Im 16. Jahrhundert treten als neue Verarbeitungsform die sogenannten „Eulenbecher“ auf. Die Form der Kokosnuss bildet einen Eulenkörper nach, der durch Schnitzarbeiten ein Federkleid bekommen hat. Der Kopf (als Deckel), sowie die Füße und Flügel wurden in Silber gearbeitet und konnten durchaus beweglich sein.

Die Kokosnuss verliert durch Seehandel an Wert

Durch den Seehandel der Niederländer verlor der Wert der Kokosnuss im 17. Jahrhundert. Es entstanden nur noch Kokosnuss-Becher in einfachen Formen, da sich der große Aufwand bei sinkendem Wert des Rohstoffs nicht mehr lohnte, bis die Verarbeitung zu Geräten im 18. Jahrhundert völlig aus der Mode kam.
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Auch wenn die Verarbeitung von Kokosnuss aus der Mode gekommen sein mag, so halte ich dieses Material für die Herstellung von Schmuck mit Kokosnuss für eine gut aussehende Alternative. Es ist ein schönes Material, das sich sehr gut verarbeiten lässt und durch seine Oberflächenstruktur und Maserung eine wirklich attraktive Erscheinung hat. Je nachdem, wie weit ich die Oberfläche bearbeite, lässt sich eine grobe oder auch eine glatt polierte Oberfläche erzielen. Hinzu kommt, dass es einfarbig braune, wie auch gelblich gestreifte Schalen oder Teilbereiche in der Schale gibt.
Da ich in den meisten Fällen nur kleine Stücke aus der Schale für meine Schmuckstücke verarbeite, kann ich die vorgegebene, stark gekrümmte Form durch genaue Auswahl und Bearbeitung stark reduzieren und so auch Kettenanhänger oder Ringe herstellen, in denen Kokosnuss verarbeitet ist. Meinen Kunden gefällt dieser etwas ungewöhnliche Schmuck, auch, oder gerade weil die Kokosnuss nicht sofort erkennbar und ungewöhnlich ist.

Ring aus Fein-Silber – ring of pure silver

Ring aus Fein-Silber

Dieser Ring aus Fein-Silber ist schon einige Jahre alt. Ich habe ihn jetzt wieder in meiner Goldschmiede in Osnabrück, um die Größe ein wenig zu verändern.
In all den Jahren, die dieser Ring am Finger war oder in der Schatulle lag, ist er nicht angelaufen!

Das liegt daran, dass er nicht aus einer Silberlegierung besteht und unedle Zusatz-Metalle enthält, sondern aus reinem Silber hergestellt wurde. Die übliche Legierung für Silber ist heute das sogenannte Sterlingsilber, welches 925/000 Teile pures Silber enthält. Diesem Ring ist aber kein anderes Metall zugefügt. Er ist aus 99,9 % Silber. Sehr geringe Spuren von Fremdstoffen sind immer enthalten.

Für gewöhnlich legiert man Silber für Schmuckzwecke

Da reines Silber aber sehr weich ist, legiert man es in der Regel. Unter anderem kann man Silber so auch  besser verarbeiten.

Ring aus Fein-Silber
Ring aus Fein-Silber

Sehr filigrane Elemente sind aus Fein-Silber nur schwer miteinander zu verbinden, da sie geschweißt werden müssten um die Reinheit zu erhalten. Gewöhnlich wird in einer Goldschmiede aber gelötet. Das heißt, dass ein zusätzliches Metall oder hier eine spezielle Silberlegierung mit einem geringeren Schmelzpunkt zur festen Verbindung zweier Elemente benötigt werden. Sowie man Fein-Silber also lötet, kann man nicht mehr von purem Silber sprechen, da durch das Lot Zusatzmetalle enthalten wären.

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Beim Schweißen von Elemente aus Fein-Silber besteht immer die Gefahr, dass sich die einzelnen Elemente nicht zusammen fügen, sondern jedes Teil für sich schmilzt, ohne sich mit dem Anderen zu verbinden. Dies trifft auf zierliche Einzelteile natürlich eher zu, da der Schmelzpunkt sehr viel schneller erreicht ist als bei großen Einzelteilen.

Aus diesem Grund besteht dieser Ring auch eher aus „rustikalen“ Elementen. Auf einer sehr starken Ringschiene habe ich eine leicht gewölbte, annähernd runde, verhältnismäßig dicke, eismatte Scheibe aufgesetzt und mit der Schiene verschweißt. Somit habe ich einen Ring aus purem Silber gefertigt, der sich aber trotz seiner stabilen Ausführung immer wieder leicht verformt. Dies stellt aber für die „rustikale“ Optik des Ringes kein Problem dar.

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Schmuck aus Fein-Silber oxidiert nicht

Der Vorteil, den ich oben bereits erwähnt habe ist aber, dass dieser Ring aus Fein-Silber immer in seiner weißen „Farbe“ strahlt und nicht oxidiert. Reines Silber geht keine chemische Reaktion mit anderen Stoffen ein, was ja für alle Edelmetalle in ihrer reinen Form zutrifft und eines ihrer charakteristischen Merkmale ist.